Mesmerismus – Mythos oder ernsthafte Wissenschaft? Teil 3

Mesmerismus – Mythos oder ernsthafte Wissenschaft? Teil 3

So famos Mesmers Demonstrationserfolg war, genauso brachte er die Wiener Ärzteschaft gegen sich auf, als er 1777 die hießige prominente Pianistin Marie Theresie Paradis mit seiner Heilmethode behandelte. Sie war seit der frühesten Kindheit erblindet und galt unter der Elite der Wiener Mediziner als aussichtsloser und hoffnungsloser Fall. Als es Mesmer auch hier gelang, mit seiner Heilmethode aufsehenerregende Erfolge zu verzeichnen, rief es den Neid und die Missgunst derer auf den Plan, welche ihre Kompetenz, Ansehen und Ruhm durch Mesmers Erfolg gefährdet sahen.

Die Angst vor einer vermeintlichen Blossstellung, sowie die Furcht der Eltern der Pianistin vor der drohenden Unsicherheit beim Klavierspielen aufgrund der immer mehr zunehmenden Sehkraft, führte dazu, dass Mesmer des Betruges bezichtigt und die Behandlung abgebrochen wurde. Vorsichtshalber verließ Mesmer Wien und suchte in Paris Zuflucht, wo er in kurzer Zeit eine große Berühmtheit wurde.

Paris, damals eine Stadt der Superlative und Sensationen, ist für Mesmer ideal, seine neuartige und völlig unorthodoxe Behandlungsmethode zu demonstrieren. Schnell mausert er sich zum medizinischen Superstar, bei welchem die einflussreichsten Personen und auch der Hochadel in seiner Praxis ein- und ausgingen. Inzwischen hatte Mesmer auch eine völlig neue Apparatur für seine Heilmethode erfunden – das Baquet.

Meersburg am Bodensee
Blick auf das Heilig-Geist Spital in Meersburg, in welchem Franz Anton Mesmer am 5. März 1815 starb.

Das Baquet muss man sich als einen Zuber oder Holzfass vorstellen, welcher mit magnetisierten Glasflaschen und allen möglichen Gegenständen aus Eisen gefüllt war. Über Eisenstäbe und Hanfschnüre leitete Mesmer die im Heilzuber gespeicherte Energie auf die um den Zuber positionierten Patienten. Dies dürfte man auch als die Geburtsstunde der Gruppentherapie bezeichnen.

Die Wirkung war umwerfend. Die Patienten erlebten alle emotionalen Gefühlszustände bis hin zur Bewußtlosigkeit. Nach mehrfachem Einsatz der Heilmethode zeichnete sich bei den Patienten eine verblüffende Heilung ab. Von nun an avancierte Mesmer zu einer internationalen und interkontinentalen Berühmtheit. Allerorts werden Vereinigungen und Verbindungen aus dem Boden gestampft, welche Mesmers Lehre verbreiteten, publizierten und erweiterte Heilmethoden daraus entwickelten, die wiederum auch trotz Mesmers Widerstand sehr erfolgreich waren.

Die französische Revolution fand statt und Mesmers Stern versank plötzlich und verschwand von der Bildfläche. Mesmers Theorien waren immer heftigst kontrovers diskutiert und kritisiert worden. Zudem verlor er einen Freund und Bekannten nach dem anderen durch diverse Hinrichtungen und zieht, sich ernsthaft bedroht fühlend, zurück in den Thurgau. Nach häufigem Wohnsitzwechsel findet er wiederum in Meersburg einen steten Aufenthaltsort, an welchem er weiterhin erfolgreich praktizierte.

Kurz vor seinem Tod, am 5. März 1815 im Spital in Meersburg, wurde er noch von der Berliner Akademie mit zwei Bänden geehrt, welche eine von Karl Christian Wolfahrt (1778 – 1832) verfasste Zusammenfassung und Kommentar zur „Theorie und Anwendung des tierischen Magnetismus“ enthielt. Fast eineinhalb Jahre nach dem Tod Mesmers, wurde Mesmers Theorie nach monatelanger Prüfung von der Berliner Akademie weitgehendst anerkannt.

Die Lehren und Theorien von Franz Anton Mesmer haben bis heute Gültigkeit und liefern Lösungsansätze in der Psychotherapie, bei Hypnosemethoden und sonstigen alternativen Heilverfahren. Auch namhaften Autoren, Dramaturgen und Schriftstellern lieferte Mesmer faszinierende Inspirationen.

Quellennachweis: „Schwäbische Heimat“ 2015/1 S. 31 – 37 (Thomas Knubben)

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