Mesmerismus – Mythos oder ernsthafte Wissenschaft? Teil 1

Mesmerismus – Mythos oder ernsthafte Wissenschaft? Teil 1
Portrait of Franz Mesmer
Franz Anton Mesmer (1734 – 1815)

Der Begriff Mesmerismus leitet sich vom Namen des Entdeckers Franz Anton Mesmer ab, welcher am 23. Mai 1734 in Iznang bei Radolfzell am Bodensee geboren wurde. Mesmer genoss die Berühmtheit eines Arztes und Therapeuten zu Zeiten kurz vor der französischen Revolution in Europa und auch in Übersee.

Der Mesmerismus, auch animalischer Magnetismus genannt, ist eine dem Elektromagnetismus ähnliche analoge Kraft, welche nach Mesmers Theorie jedem Menschen innewohnt. Die daraus entwickelte Heilmethode wurde von Mesmer hauptsächlich in diversen Hypnosetechniken eingesetzt.

Mesmer verwendete für seine Theorie die für seine Zeit populären Erkenntnisse aus der Physik, wie z.B. Gravitation, Magnetismus und Elektrizität. Stark beeinflusst wurde Mesmer nach eigenen Angaben von Isaac Newton. Wie auch dieser ging Mesmer von einer bestimmten Form Äther, einer alles durchdringenden Kraft, welche gewissen gravitativen Gesetzen unterliegt und zwischen jedem beliebigen lebendigen Körper existiert. Diese Kräfte in die richtigen Bahnen gelenkt, erzeugen nach Mesmers Auffassung die heilende Wirkung.

Daß diese Theorie unter Mesmers Kollegen größtenteils nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß, ist wohl um diese Zeit mehr als verständlich. Vielmals wurde er als Quacksalber, größenwahnsinnig und inkompetenter Spinner verspottet und abgelehnt.

Justinus Kerner (1786 – 1862), ein Arzt und Dichter aus Weinsberg (Nähe Heilbronn),beschrieb seinen Kollegen Mesmer als einen merkwürdigen, ja noch oft mißkanten Mann. Er selbst wurde als 11-jähriger Junge vom Heilbronner Arzt Dr. Eberhard Gmelin (1751 – 1809) erfolgreich einer mesmeristischen magnetischen Kur unterzogen.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843), schlechthin der Begründer der Homöopathie, welcher auch ein eigenes Lehrbuch verfasste („Organon der Heilkunst“) und damals zeitgenössisch auch als Standardwerk galt, beschrieb Mesmers Theorie des Thierischen Magnetismus als ein wundersames, unschätzbares, dem Menschen verliehenes Geschenk Gottes.

Auch Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) ließ verlauten, dass vom philosophischen Standpunkt aus betrachtet, der Mesmerismus die inhaltsschwerste aller jemals gemachten Entdeckungen bezeichnet, wenn er auch einstweilen mehr Rätsel aufgibt als löst.

Bereits in der Schule fiel dem Dorfpfarrer die schnelle Auffassungsgabe des kleinen Franz A. Mesmer auf. Es war schon fast selbsterklärend, welchen ungewöhnlichen Bildungsweg Mesmer im Laufe seines Lebens einschlug. Schon mit 16 Jahren kam er über das Jesuitenkolleg in Konstanz auf die Jesuitenuniversität nach Dillingen, weitere 4 Jahre später besuchte er die bayerische Landesuniversität in Ingolstadt. Dort studierte er Philosophie und Theologie und schloss sein Studium auch mit einem Doktortitel in Philosophie ab. Mesmer entschließt sich zu einem weiteren Studium der Medizin in Wien. Hier, in der medizinischen Fakultät, war die Elite von Ärzten und Professoren anzutreffen, welche für das gesundheitliche Wohl der Kaiserfamilie zuständig war. 1766 wurde ihm auch das medizinische Doktordiplom verliehen.

Mesmer heiratete in Wien Maria Anna von Posch, geborene von Eulenschenk und bewohnte mit ihr deren prunkvolles Familienanwesen, welches sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Kunst und Wissenschaft in Wien mauserte. Leopold Mozart mit seinem bereits berühmten Sohn Wolfgang Amadeus gaben sich dort unter anderem mit Joseph Haydn, Willibald Gluck und Franz Xaver Messerschmidt gegenseitig die Klinke in die Hand. Dieses Anwesen ist gleichzeitig Mesmers ärztliche Praxis.

Anfangs praktizierte Mesmer in seiner Praxis auch genauso wie man es seiner Zeit an den medizinischen Universitäten lehrte. 1774 sollte eine von ihm entwickelte neue Heilmethode für allgemeines Aufsehen sorgen, welche wegweisend für sein weiteres Leben sein sollte – die Heilung durch Magnetismus. Damals absolut revolutionär und genauso kontrovers diskutiert.

 

Quellennachweis: „Schwäbische Heimat“ 2015/1 S. 31 – 37 (Thomas Knubben)

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