Hypnose – Was ist das?

Hypnose – Was ist das?
Hypnose mit Armlevitation Quelle: fotolia/ Hetizia ChLesjak
Hypnose mit Armlevitation
Quelle: fotolia/ Hetizia ChLesjak

Eine wirkliche Definition in seiner Urbedeutung gibt es genaugenommen nicht, da Hypnose in seinen Grundfesten noch gar nicht so umfassend erforscht worden ist. Die Mechanismen des Unterbewusstseins können nicht präzise genug interpretiert werden, da viele Erkenntnisse noch auf zu vielen Hypothesen gestützt sind.

Fest steht jedoch, dass es sich hierbei um einen veränderten Bewusstseins- oder Gehirnaktivitätszustand handelt, welcher recht unterschiedliche Ergebnisse bzw. Reaktionen hervorbringen kann.

Einen Hype bzw. eine Renaissance lebte um die Jahrhundertwende 1900 auf, welche als Neugeist-Bewegung bekannt wurde. Der wohl populärste Vertreter dieser Neugeist-Bewegung, Charles Francis Haanel, machte mit seinem um 1912 erschienenen Werk „The Master Key System“ Schlagzeilen. Hier beschrieb er, wie man mittels Meditation und Selbsthypnose in der Lage ist, sein Leben in die gewünschten Bahnen zu lenken. Dieses Werk, welches seinerzeit als wöchentlicher Briefkurs vor allem bei Studenten großen Anklang fand, lieferte für Rhonda Byrne die Grundlage für ihren Dokumentarfilm „The Secret“, welcher sich vorwiegend in der Esoterikszene größter Beliebtheit erfreute.

Leider wird Hynose zu Unrecht der Esoterik zugeordnet und allzuoft in die Okkultismus-Ecke gedrängt, als Scharlatanerie und Schwindel abgetan. Dabei erleben wir ständig hypnoseähnliche Zustände, welche wir als solche meistens bewusst gar nicht erkennen. Beispielsweise beim Autofahren. Wie oft sind wir in Gedanken versunken und schwelgen darin. Dies ist beispielsweise ein hypnotischer Zustand. Plötzlich ist man am Ziel und weiss überhaupt nicht, wie die Fahrt bis zum Ziel verlaufen war. Das Unterbewusstsein hat die Steuerung komplett übernommen. Schalten, kuppeln, blinken usw. waren voll automatisiert. Selbst an entgegenkommende Autos können wir uns nicht mehr erinnern. Manchmal kommen wir während der Fahrt wieder zu uns und brauchen erst mal einige Sekunden, um unseren momentanen Ort zu lokalisieren, obwohl wir die Strecke täglich fahren und sie kennen wie unsere eigene Westentasche. Ein klarer Indiz dafür, dass unser Tun und Handeln zu 99% vom Unterbewusstsein gesteuert wird. In dieser Tatsache liegt die Chance der Hypnose, falsche Glaubenssätze und sonstige Überzeugungen wieder in positive Richtungen zu lenken.

Auch die Showhypnose hat für die eine oder andere Voreingenommenheit gesorgt. Meinungen wie totaler Kontrollverlust, Willenlosigkeit und gnadenloses Ausgeliefertsein sorgen für einen negativen Anstrich der Hypnose. Sicherlich hat die Showhypnose zu Demonstrationszwecken seine Daseinsberechtigung, ohne ethische Grundsätze zu verletzen.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt Hypnose ein besonderer Bewusstseinszustand, welcher vom entspannten Wachsein bis zum tiefsten, erinnerungslosen „Schlaf“ reicht. Fokussierung und Denken sind nach innen gelenkt. Hypnose ist definitiv kein Schlaf. Da Schlaf dem hypnotischen Zustand sehr ähnlich ist, wird der Begriff „Schlaf“ von vielen Hypnotiseuren zum besseren Verständnis der Allgemeinheit dennoch benutzt. Die Hypnose ist ein Werkzeug, mit welchem man unterbewusste Möglichkeiten verändern kann, denn mit ihr kann man besonders gut mit dem Unterbewusstsein kommunizieren.

Prinzipiell läuft eine Hypnose immer nach dem selben Schema ab: Einleitung bzw. Tranceinduktion > Vertiefung > Anwendung > Ausleitung. Hypnose regt die Vorstellungskraft des Hypnotisanden an, um somit die jeweilige Anwendung (z.B. Entspannungshypnose, Blockadenlösung etc.) mit den entstehenden inneren Bildern zu realisieren.

Dirk Treusch, einer der bekanntesten und populärsten Hypnosecoaches und -trainer Deutschlands, interpretierte eine recht interessante Definition von Hypnose, welche eine amerikanische Regierungsbehörde (U.S. Department Of Education) ins Leben rief:

Hypnosis is the bypass of the critical factor of the conscious mind and the establishment of acceptable selective thinking.

Dirk Treuschs Interpretierung dieser Definition, welche man wortwörtlich nicht übersetzen kann lautet:

Durch Hypnose werden solche Sichtweisen ins Unterbewusstsein eingebracht, die für den Hypnotisierten akzeptabel sind. Sind diese Gedanken akzeptabel, passieren sie mit Hilfe der Hypnose den oben beschriebenen Kritischen Teil des Bewusstseins und gelangen direkt ins Unterbewusstsein. Dort können sie auf eine sichere und effektive Art unsere Gewohnheiten und z.B. Glaubenssätze über uns selbst positiv verändern.

Aus dieser Definition ist ersichtlich, dass Hypnose gegen den Willen nicht möglich ist.

(mit freundlicher Genehmigung von Dirk Treusch)

Ausgerechnet der letzte Satz von Dirk Treuschs Interpretierung sollte eigentlich mit diversen Vorurteilen aufräumen, da dies in der Vorstellung der meisten Menschen das größte Hindernis für die Akzeptanz der Hypnose als seriöse, nützliche und effektive Behandlungsform darstellt. Paradoxerweise wird oft der Esoterik, aber auch der Scharlatanerie mehr Bedeutung beigemessen als der Wissenschaft. Glücklicherweise leben wir heutzutage im Zeitalter der Aufklärung, sodass einem Umdenken auch in Richtung der Grenzwissenschaften und der theoretischen Wissenschaften der Weg geebnet ist.

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